
125 Jahre Festschrift - Der Mensch in der Feuerwehr
Die Mannschaft – wir alle!
Die Freiwillige Feuerwehr Eichgraben ist hierarchisch organisiert – und dennoch beginnt dieser Text nicht ganz unten in der Hierarchie, sondern ganz vorne: mit der Mannschaft. Die Mannschaft, das sind wir alle – der Kommandant, die Chargen, die Frauen und Männer, die Jugendlichen, die Reservisten. Im Grunde genommen: alle, die anpacken.
Alle als Mannschaft zu bezeichnen ist auch deshalb richtig, weil sich die Freiwillige Feuerwehr Eichgraben nicht in einen „führenden Teil“ und einen „arbeitenden Teil“ einteilen lässt. Jeder bringt Leidenschaft für das Tun mit – und niemand ist sich für einen Handgriff zu schade.
Wir bezeichnen uns selbst gerne als Mannschaft – und meinen damit eine tiefe Verbundenheit als Freunde mit einem Sinn für etwas wirklich Wichtiges im Leben: jenen zu helfen, die in Not geraten sind – wann immer sie uns brauchen. Am Abend, in der Nacht, an Feiertagen, bei Schnee, Eis und Sturm, bei Feuer und Gefahr für Leib und Leben.
Die Mannschaft trägt das gesamte Feuerwehrwesen. Mit ihr steht und fällt jeder Einsatz, mit ihr beginnt jede Arbeit. Ihr gebührt bei jedem Anlass, bei jedem Fest und in jedem Text immer zuallererst der größte Dank.
Der Kommandant – der Chef!
Jede Organisation braucht einen Kopf: jemanden, der den Überblick behält, der Verantwortung übernimmt, der breite Schultern und starke Nerven hat. Der Kommandant trägt die große Verantwortung dafür, dass die Feuerwehr funktioniert. Er sorgt dafür, dass der Schutz der Bevölkerung und der Gemeinde durch eine einsatzfähige, kompetente Feuerwehr sichergestellt ist.
Seine wichtigste Ressource ist die Mannschaft. Und seine wichtigste Aufgabe: Menschen dafür zu begeistern, ihre Freizeit zu investieren – um sich fortzubilden, das Feuerwehrhaus zu reinigen und instand zu halten, Geräte zu warten und, wenn notwendig, sogar ihr Leben einzusetzen, um das Leben anderer zu retten.
Klingt einfach? Dann stellen Sie sich vor, heute müsste eine freiwillige Feuerwehr neu gegründet werden. Ein befreundeter Bürgermeister kommt zu Ihnen und sagt:
„Bitte gründe eine Freiwillige Feuerwehr. Wir haben 6.000 Einwohner und etwa 200 Einsätze pro Jahr. Such dir Menschen, die für diese Arbeit kein Geld haben wollen, die immer verfügbar sind, gut ausgebildet, technisch versiert, körperlich fit, gesund, risikobereit, ortskundig – und am Wochenende bereit, Ortsfeste und Kulturveranstaltungen abzusichern.“
Ich wünsche Ihnen viel Glück – und viel Gottvertrauen.
In Eichgraben muss kein Kommandant mehr eine Feuerwehr gründen. Er muss sie „nur“ am Laufen halten. Aber viele Herausforderungen sind seit der Gründung vor 125 Jahren gleich geblieben: Wie schütze ich meine Mannschaft? Wie bereite ich sie optimal vor? Wie statte ich sie aus, um sie selbst nicht zu gefährden? Und vor allem: Wie motiviere ich sie Tag für Tag, trotz Beruf und Familie, für den Dienst am Gemeinwesen bereitzustehen?
Zum Glück ist es der Feuerwehr Eichgraben in all den Jahren immer gelungen, den jeweils besten Kommandanten aus ihren eigenen Reihen zu wählen – und so hat sie sich zu einer professionellen Hilfsorganisation entwickelt.
Der Verwalter – Spitzname Erbsenzähler (oder weniger charmant: Blaue S*u)
Einer ist immer für das Geld zuständig. Bei der Feuerwehr ist das der Verwalter. Er zählt, bucht, verrechnet, prüft, überweist und mahnt. Er liebt Zahlen – und sieht sie gern wachsen. Es darf ruhig ein bisschen mehr sein. Und wenn Geld ausgegeben wird, manchmal auch ein bisschen weniger.
Der Verwalter ist der administrative Arm des Kommandanten. Wenn Verträge abgeschlossen, Protokolle verfasst oder Finanzierungen verhandelt werden, sitzt er mit am Tisch.
Für viele spielt sich seine Arbeit im Verborgenen ab – leise, am Schreibtisch, bei Excel-Tabellen und in der Datenbank namens F-Disk. Abenteuerlich? Nicht wirklich. Vom Schreibtisch aus Leben gerettet? Wohl kaum. Aber ohne Verwaltung kein Betrieb.
Heute ist die Feuerwehr Eichgraben so groß, dass sie – rein organisatorisch – einem mittelständischen Unternehmen gleicht. Mehrere tausend Buchungen pro Jahr, Korrespondenz mit Ämtern, Vertragspartnern, Versicherungen, Gemeinde, Lieferanten, dem Landesfeuerwehrverband und vielen mehr.
Eine effiziente und geräuschlose Verwaltung ist die Grundvoraussetzung für einen reibungslosen Feuerwehrbetrieb.
Leiter der Feuerwehrjugend!
Die Jugendarbeit ist heute aus dem Feuerwehrwesen nicht mehr wegzudenken. Es gibt ein oft gesagtes Sprichwort, das auf nichts so gut passt, wie auf die Feuerwehrjugend: „Wer die Jugend hat, der hat die Zukunft.“ Das gilt sprichwörtlich. Die heutige Feuerwehrjugend ist das Rückgrat der Feuerwehr in zehn bis fünfzehn Jahren, so wie der heutige Kern der Aktivmannschaft zu einem großen Teil in der Jugend angefangen hat.
Für Jugendliche ist die Feuerwehr eine faszinierende Gemeinschaft. Hier erlebt man Abenteuer, lernt Nützliches fürs Leben und ist Teil eines Teams, das füreinander da ist. Hier findet man Vorbilder – und wächst mit der Aufgabe.
Die Jugendzeit legt den Grundstein für eine lebenslange Mitgliedschaft und den Erwerb jener Kompetenzen, die man im Feuerwehrdienst braucht. Noch ist das Lernen spielerisch – doch jeder Jugendliche weiß, dass es irgendwann ernst wird. Wenn man mit 15 überstellt, eingekleidet und ausgerüstet wird, beginnt die Verantwortung: für eine wichtige Aufgabe, die einem von der Gesellschaft übertragen wurde.
Der Fahrzeugmeister – Spitzname: „Zangler“!
Der Stolz jeder Feuerwehr ist sein Fuhrpark. In ihm steckt nicht nur ein erheblicher materieller Wert, sondern vor allem alle wichtigen Gerätschaften, die es zur Bewältigung unserer Aufgaben braucht. Das Feuerwehrfahrzeug ist nicht einfach ein Transportmittel für Mensch und Material, sondern es ist wie ein Arbeitsplatz auf Rädern. In ihm stecken tausende Gerätschaften, Werkzeuge, Maschinen, Rettungsmittel, Schläuche, Pumpen, Aggregate, Betriebsmittel, Wasser, Schutzausrüstung, Kommunikationsmittel, Bergemittel, Armaturen und vieles mehr. Ihre Einsatzfähigkeit ist so wichtig, dass es selbst im Falle einer vorübergehenden Außerbetrieb kommt, eine unverzügliche Information der Landes-Leitzentrale bedarf. Wenn Fahrzeuge nicht funktionieren, ist der Einsatzbetrieb unmittelbar betroffen und gefährdet.
Der Fahrzeugmeister stellt sicher, dass die Einsatzbereitschaft der Fahrzeuge möglichst durchgehend gewährleistet ist. Wer für den Fuhrpark der Feuerwehr zuständig ist, hat meist ein besonders gutes technisches Verständnis. Er pflegt und wartet die Fahrzeuge teilweise selbst und entscheidet im Einzelfall darüber, ob das Fahrzeug weiterhin im Dienst bleiben kann oder nicht.
Der Fahrzeugmeister hat neben dieser Kernaufgabe noch eine zweite besonders wichtige Aufgabe: er ist für die Ausbildung der Kraftfahrer zuständig und beurteilt, wer Einsatzfahrer sein darf. Der Einsatzfahrer trägt eine besonders große Verantwortung in jedem einzelnen Einsatzfall, nämlich für das rasche Erreichen des Einsatzortes, bei gleichzeitig größtmöglicher Sicherheit für die im Fahrzeug befindliche Mannschaft. Wer schon einmal einen voll beladenen LKW mit 18 Tonnen über die Landstraße oder durch das verschneite Ortsgebiet gelenkt hat, weiss was es bedeutet unter größtmöglichen Einsatzdruck, richtig, schnell und sicher gleichzeitig zu fahren. Die Auswahl dieser verantwortungsvollen Feuerwehrmitglieder, obliegt dem Fahrzeugmeister.


Der Zeugmeister!
Der Zeugmeister ist für alles zuständig, was nicht vier Räder und einen Motor hat. Allen voran: die Schutzausrüstung der Mannschaft.
Helm, Stiefel, Jacke, Uniform, Handschuhe – jedes Mitglied besitzt rund 16 Kleidungsstücke, verteilt auf Einsatz-, Ausgeh- und Dienstbekleidung. Bei über 110 Mitgliedern sind das rund 1.700 Teile, die angeschafft, gepflegt, gereinigt, getauscht und angepasst werden müssen – etwa, wenn sich über die Jahre der Bauchumfang ändert …
Doch das ist nur ein Teil der Arbeit. Hinzu kommt die Wartung der gesamten Ausrüstung auf den Fahrzeugen – über 1.000 Werkzeuge und Geräte, die regelmäßig geprüft und einsatzbereit gehalten werden müssen.
Der Nachrichtenwart!
Dieser Fachcharge stellt sicher, dass alle Kommunikationsmittel der Feuerwehr funktionieren: Pager, Funkgeräte, Alarmierungs-Apps, Sirenensteuerung, Fahrzeugfunk, Ortssirene – eine wachsende Zahl technischer Systeme, die betreut, gewartet und aktuell gehalten werden müssen.
Der Atemschutzwart!
Die Pflege der Atemschutzgeräte ist eine der zeitintensivsten Aufgaben im Feuerwehrwesen – und liegt in den Händen des Atemschutzwarts.
Nach Einsätzen oder Übungen müssen Masken zerlegt, gereinigt, desinfiziert, getrocknet, wieder zusammengebaut, hygienisch verpackt und einsatzbereit verstaut werden. Leere Druckflaschen müssen befüllt und dokumentiert werden.
Während andere längst nach Hause gehen, arbeitet der Atemschutzwart oft noch viele Stunden – für eine Funktion, die buchstäblich Leben schützt.
Leiter Ausbildung!
Ausbildung ist das Fundament jeder funktionierenden Feuerwehr. Sie stellt sicher, dass alle Mitglieder – vom neuen Feuerwehrjugendmitglied bis zum erfahrenen Einsatzleiter – die nötigen Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen besitzen, um im Einsatzfall sicher und wirksam handeln zu können.
Der Ausbildungsbeauftragte trägt dabei eine zentrale Rolle: Er plant die gesamte Aus- und Fortbildung innerhalb der Feuerwehr, koordiniert Übungen, organisiert Schulungen und ist Ansprechpartner für Lehrgänge auf Abschnitts-, Bezirks- und Landesebene.
Doch seine Arbeit geht weit über reine Organisation hinaus. Er hat die Mannschaft im Blick – ihre Stärken, ihre Interessen, ihren Entwicklungsbedarf. Gemeinsam mit dem Kommando denkt er in Richtung Zukunft: Wer kann welche Verantwortung übernehmen? Welche Voraussetzungen müssen dafür geschaffen werden? Welche Fähigkeiten müssen aufgebaut, vertieft oder erweitert werden?
Man könnte sagen: Das Sachgebiet Ausbildung ist das Human Ressource Management der Feuerwehr – mit dem Unterschied, dass hier alle freiwillig dabei sind. Und dennoch braucht es vorausschauende Planung, gezielte Entwicklung und kontinuierliche Betreuung. Denn nur so können neue Aufgaben übernommen, Dienstposten besetzt und die Einsatzfähigkeit langfristig gesichert werden.
Kurz gesagt: Wer die Ausbildung ernst nimmt, sichert die Qualität von morgen – und verdient einen besonderen Platz im Gefüge der Feuerwehr.
Zugs-, Zugtrupp- und Gruppenkommandanten
Diese Führungschargen haben die Aufgabe im Rahmen des gesamten Feuerwehrwesens für die Führung einer oder mehrere Gruppen zu sorgen. Sie übernehmen insbesondere im Einsatzfall die Aufgabe ihre Gruppe so zu führen, dass der entsprechende Auftrag (Einsatzbefehl) korrekt umgesetzt wird.
Sonstige Fachchargen!
Neben den hier beschriebenen sehr großen Aufgabengebieten der Chargen, gibt es auch noch zahlreiche weiter Fachchargen, die hier noch in kurzer Form erwähnt werden:
EDV und IT: für alle Bits und Bytes die durch Laptops, Server, Internet, Cloud und Fahrzeug-IT fließen.
Wasserdienst: für die Ausbildung zur Wasserarbeit, insbesondere Zillenfahren und Knotenkunde.
Öffentlichkeitsarbeit: für die Verwaltung aller Social-Media-Kanäle, Homepage und sonstige Kommunikationskanäle zur Information der Öffentlichkeit über die Tätigkeiten und Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehr Eichgraben.
Feuerwehrmedizinischer Dienst ist mit der Aufgabe verbunden, Maßnahmen zur Erhaltung und Prüfung der für die Einsatzfähigkeit erforderliche Gesundheit und Fitness durchzuführen.
Schlusswort
125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Eichgraben – das sind 125 Jahre gelebter Zusammenhalt, ehrenamtliches Engagement und unzählige Stunden im Dienst der Gemeinschaft. Es sind 125 Jahre, in denen Generationen von Menschen bereit waren, Verantwortung zu übernehmen – für ihre Nachbarn, für ihr Dorf, für ihre Mitmenschen.
Die Freiwillige Feuerwehr lebt nicht von Technik allein, sondern von Menschen, die bereit sind, mehr zu geben als sie müssen. Jeder Einsatz, jede Übung, jede Funktion – ob sichtbar an vorderster Front oder im Hintergrund – ist Teil eines großen Ganzen.
Dieser Text soll zeigen, wie vielfältig, anspruchsvoll und wertvoll die Arbeit innerhalb der Feuerwehr ist. Und er soll all jenen danken, die mittragen, mitgestalten und mithelfen – Tag für Tag, seit 125 Jahren.
Möge dieser Geist auch in Zukunft weiterleben – in der Mannschaft, in der Jugend und in allen, die noch kommen werden.

_PNG.png)



_PNG.png)
